Ich kann mich gut an meine Anfänge im Amateurfunk erinnern, als noch zwischen UKW-Amateuren und KW-Amateuren unterschieden wurde. Im SSB- und CW-Segment des 2m-Bandes war Anfang der 1990er-Jahre täglich rege Traffic. Eine Yagi für „2m-DX“ hatte damals fast jeder und daneben eine kleine GP für 2m und 70cm, die man für FM nutze, um seinen Freunden übers „Haustelefon“ mitzuteilen, dass z.B. auf 144.300 MHz in SSB grad GM4IPK regelrecht „hereindonnert“.
Heute hat für viele OMs und YLs UKW an Attraktivität eingebüsst, und wo an den 2m-Contest-Wochenenden vor Jahrzehnten die Bänder noch zum Bersten voll waren, gibt’s heute nur noch wenige „Cracks“, die UKW-DX mit entsprechendem Antennen-Equipment betreiben. Hat man als Contest-Teilnehmer einen guten Standort, kann man aber immer auch ein paar leise Signale empfangen und zusätzliche QSOs loggen von Funkamateuren, die z.B. mit ihrer X50 ein paar Contest-Punkte mit ihrem Stations-TRX verteilen, der auf 2m und 70cm neben FM auch SSB und CW kann.
Aber warum kommen wir denn z.B. mit einer kleinen Vertikal im 2m-Betrieb in SSB oder CW nicht wirklich auf einen „Grünen Zweig“? Warum hören wir nur Rauschen auf einer Frequenz, wenn die Conteststation, der wir zuhören einen OK nach dem anderen arbeitet? Einer unserer YouTube-Abonnenten hat uns folgende Frage gestellt: „Hallo, ich habe mal eine Frage zur Polarisation der Antenne. Die ist bei dir ja horizontal polarisiert. Bedeutet dies, dass man vertikal polarisierte Stationen nicht oder nur schwer empfängt? Gibt es beim Kontest eine Empfehlung wie man polarisiert? Danke und Grüsse!“

Ich denke diese Frage könnte auch den einen Besucher oder die andere Besucherin unserer Website beschäftigen, und deshalb hier meine Antwort, die ich dem OM geschickt habe:
„Hallo und besten Dank fürs Feedback. Grundsätzlich ergibt eine „falsche“ Polarisation – d.h. zum Beispiel einer der beiden QSO-Partner ist Vertikal polarisiert und der andere Horizontal, oder einer Zirkular rechts und der andere Zirkular links drehend – eine Dämpfung von 20 – 25dB; also effektiv relativ viel. In der Praxis „spürst“ Du diese Dämpfungen ausgeprägter, je höher die Frequenz ist – richtig massiv wird’s da, wo Du nur noch auf Sicht arbeiten kannst. Auf 2m arbeitest Du oft auch über Reflexionen, und die Polarisation Deines Signals wird ohnehin noch gedreht – die 20 – 25dB müssen da nicht immer abfallen. Und auf der Kurzwelle spielt die Polarisation nur auf der Bodenwelle eine Rolle – beim Arbeiten über die Raumwelle spürst Du sie i.d.R. nicht – da haben andere Kenngrössen wie z.B. der Aufbau der Antenne über Grund einen weitaus grösseren Einfluss (nur bei Horizontal polarisierten Antennen). Die Polarisation spielt also grundsätzlich nur im UKW-Bereich eine Rolle, und in der Praxis wird für SSB und CW i.d.R. Horizontale und für FM vertikale Polarisation verwendet. Im Zweifelsfall wäre übrigens eine Zirkulare Polarisation eine zumindest prüfenswerte Option, weil Du damit gegenüber H oder V nur jeweils 3dB verlierst. In unseren Rubriken „Funkpraxis“ findest Du übrigens ein paar interessante und hilfreiche Praxistipps aus verschiedenen Bereichen des Amateurfunks. Viel Spass Dir weiterhin und vy 73 de René, HB9NBG“
Unser Hobby hat viele faszinierende Facetten! Wir wünschen euch weiterhin viel Spass dabei und vy 73 de René, HB9NBG + 73/88 de Carine, HB9FZC