Ich kann mich noch gut erinnern an meine eigenen Anfänge als „Funker“. Ich war etwa 12 Jahre alt, als ich mich mit dem „HF-Virus“ infizierte. Ein Schulkamerad – es war Fabian – kam eines Tages mit seinem ISAM 6 in die Schule…. Er hatte mir erklärt, dass man damit je weiter funken könnte, je besser die freie Sicht vom eigenen Standort sei. Man begab sich zum Wasserreservoir unseres Dorfes auf ca. 640m.ü.M., und ich schickte mein erstes „CQ“ meines Lebens in den Äther… woooow, war das spannend!

Die Möglichkeiten über Funk ganz einfach mit „wildfremden“ Menschen in Kontakt zu treten, hatte mich sofort in den Bann gezogen – man bedenke, dass damals Mobiltelefone in der Schweiz ausschliesslich als „Natel A“ und „Natel B“ verfügbar und einer gut betuchten Gesellschaftsschicht vorbehalten waren. Auch deshalb erlebte der sogenannte CB-Funk in den 1980er-Jahren wohl seine Blütezeit, und wohl fast jeder und jede meines Jahrgangs hatte irgendwann im Leben mit dem „11m-Funk“ Bekanntschaft gemacht. Für mich war es mein Einstieg in die fazinierende Welt der Drahtlosen Kommunikation, die weitgehend auch meine Berufliche Laufbahn bestimmen sollte – vor ein paar Jahren hatte mein früherer Deutschlehrer an der Bezirksschule Breitenbach Carine und mir bei Kaffee und Kuchen anlässlich eines Besuchs bei ihm und seiner Frau für die Reparatur an ihrem Fernseher erzählt, dass er meinen Vortrag zum Thema Amateurfunk in der 9.Volksschul-Klasse wohl nie mehr vergessen werde. Ein paar Monate später schliesslich hatte ich mit 16 Jahren meine Amateurfunklizenz „im Sack“ und bin seither regelmässig unter meinem Rufzeichen HB9NBG im Äther anzutreffen 🙂
Mit der Etablierung des weltweiten Internet in breiten Teilen der Gesellschaft um die Jahrtausendwende hat der Amateurfunk selbst unter vielen Funkamateuren an Glanz verloren und an Attraktivität eingebüsst. Viele haben dem ältesten Sozialen Netzwerk seit dem Millenium den Rücken zugekehrt. Gerade während der Corona-Pandemie haben sich aber Millionen von Funkamateuren weltweit auch wieder daran erinnert, dass es eine Zeit in ihrem Leben gab, als sich alle ihre Gedanken ausschliesslich um ihr grossartiges, ja ihr einzigartiges Kommunikatives, weltumspannendes und völkerverbindendes Hobby gedreht haben. Amateurfunk wurde für viele wieder das, was es einst war: Der Draht zur Gesellschaft.
Allen Unkenrufen zum Trotz gibt es sie tatsächlich noch heute: Aktive Funkamateure, die absolut begeistert davon sind, was ihnen ihr unvergleichlich facettenreiches, kommunikatives Hobby bietet. Neue Technologien haben auch hier längst Einzug gehalten, oder sie finden sogar ihren Ursprung im Amateurfunk. Die IT ist nicht mehr wegzudenken im Alltag des Funkamateurs, und die Miniaturisierung technischer Baugruppen hat Amateurfunkgeräte hervorgebracht, die kaum grösser sind als ein kompaktes Mobiltelefon – „Draussenfunken“ ist so populär wie nie zuvor. Und genau solche Draussenfunken-Aktivitäten sind es auch, die in unseren Damen der Schöpfung zunehmend das Interesse am Amateurfunk und den Wunsch wecken Teil dieser weltumspannenden Gemeinschaft zu werden. Mein „Fraueli“ Carine gehört zu diesen sogenannten „YLs“, den Young Ladies, wie lizenzierte Funkamateur-Ladies liebevoll genannt werden in der Community. Auch Carine hat ihren Weg in den Amateurfunk über mich und schliesslich über das Bergfunk-Diplomprogramm SOTA gefunden.
Carine und ich lieben Aktivitäten, bei denen man Amateurfunk im Freien betreibt, und neben grossartigen Bergerlebnissen kommt natürlich auch der Funkbetrieb an sich nicht zu kurz. Auf „unseren“ Gipfeln achten wir jeweils darauf andere Berggänger so wenig wie möglich zu stören und bauen unsere Antenne dabei so auf, dass sie niemandem in die Quere kommt. Statt bei unseren Amateurfunk-Aktivitäten ins Mikrofon zu sprechen, tätigen Carine und ich unsere Funkverbindungen von den SOTA-Gipfeln meist in Morsetelegraphie; man arbeitet so leise und für sich und wird von Passanten fast gar nicht wahrgenommen – aber nur fast nicht 😉 Immer wieder, wenn wir unser Equipment auf einem Berggipfel aufbauen, werden – obwohl wir uns möglichst unauffällig verhalten – andere Berggänger auf uns aufmerksam, und das im sehr positiven Sinne: Wir werden oft gefragt, ob wir etwas vermessen, was wir da genau tun würden, und ob wir tatsächlich morsen könnten. Was uns dabei immer wieder sehr positiv auffällt ist das grosse Interesse vor allem auch junger Damen daran, was Amateurfunk ist und wie es funktioniert Oftmals findet man sich als SOTA-Aktivator kurz nach Beginn der Aktivität inmitten eines Pile-Ups wieder – man „spürt“, dass die Passanten geradezu brennend interessiert sind daran, was man hier eigentlich macht, aber man kommt einfach nicht kurzfristig vom Mikrofon oder von der Morsetaste weg. Trotzdem möchte man natürlich die Interessenten und damit allfälligen zukünftigen Funkamateure nicht verlieren! Carine und ich haben deshalb einen 2-seitigen Flyer kreiert, den wir über einen QR-Code zum Download von unserer Seite verlinkt haben. Sind wir noch inmitten des SOTA- oder POTA-Pile-Ups, lassen wir die Passanten schon mal den QR-Code scannen, damit sie sich die spannenden Infos schon mal anschauen können, und kommen nach den getätigten QSOs so einfach mit ihnen ins Gespräch 🙂 Probiert’s doch auch aus! Ihr dürft unser PDF gerne verwenden und dürft das Dokument natürlich gerne auch für euch persönlich anpassen.
In einer Welt, die sich immer schneller dreht und in der das Internet scheinbar alles verbindet, wird oft gefragt: Hat der Amateurfunk noch seinen Platz? Die Antwort ist ein klares Ja!
Es ist wie beim Reiten in Zeiten des Autos, beim Segeln über den Atlantik trotz Kreuzfahrtschiffen, beim Segelfliegen im Jet-Zeitalter oder beim Musizieren mit alten Instrumenten, obwohl das Radio läuft. Es geht nicht immer nur um das ‚Neueste‘ oder ‚Effizienteste‘. Es geht um die tiefe Freude am Handwerk, am Entdecken, am Lernen und an der Verbindung, die über digitale Bildschirme hinausgeht.
In diesem Sinne wünschen wir euch viel Spass bei euren Aktivitäten und möchten euch dazu motivieren, den Stolz darauf, lizenzierte Funkamateure zu sein, in die Welt hinauszutragen!
vy 73 de René, HB9NBG + 73/88 de Carine, HB9FZC